Also heute ist es dann soweit. Heute ist mein letzter Arbeitstag bei einer Kölner Internetagentur, dann kommt der Resturlaub und dann der Neuanfang in meiner neuen Heimat, dem Rhein-Main-Gebiet. Aber es ist nicht nur so, dass ich mein Privatleben in einen anderen Teil des Landes verlager, sondern auch beruflich öffnet sich eine neue Welt für mich. Von der Arbeit bei einem externen Dienstleister direkt in ein Unternehmen hinein als Inhouse-Fuzzie. Also eine Drehung um 180 Grad. Worauf ich mich besonders freue, ist die Langfristigkeit mit der an die Projekte herangegangen werden kann. Da ist es dann nicht so, dass Kunden nach einem halben Jahr Vereinbarungen kündigen weil es Ihnen nicht schnell genug geht. Abgesehen davon hat der Geschäftsführer oder Vorstand des Unternehmens die Wichtigkeit für das Thema Online-Marketing bereits erkannt.

Natürlich hat das Inhouse-Dasein auch seine Schattenseiten, um die Fortbildung auf wichtigen Themengebieten muss man sich selbst kümmern und das nicht unbedingt während der Arbeitszeit sondern danach. Gibt es aber auch hier wieder Verständnis seitens des Unternehmens, dass die Weiterbildung in diesem Bereich eine feste Größe darstellt, dürfte es nicht das Problem sein, Seminare, Kongresse, Messen, Stammtische und weiteres zu besuchen. Auch die Implementierung einer SEO-Strategie stellt sich mit Sicherheit nicht immer einfach dar. Das hat Hans Kronberg sehr schön in einer Präsentation zum Thema “Erfolgreiche Implementierung von SEO im Unternehmen” aufgezeigt.

Für mich stellt sich jedoch eine zentrale Frage, jetzt unabhängig von meiner Zukunft im Inhouse-Bereich. Warum entscheiden sich immer mehr Unternehmen – und ich rede da nicht nur von Großkonzernen- dafür, dass Themengebiet des Online-Marketing sich direkt ins Unternehmen zu holen und auf externe Dienstleister zu verzichten?

Ich glaube, dass lange Kommunikationswege einen großen Anteil daran haben. Denn häufig ist es nicht so, dass ein Unternehmen nur eine Agentur beauftragt sondern manche haben dann eine nur für SEO, eine für SEM, eine für das Umsetzen der Webseite, ein Externer schreibt die Texte und dann gibt es vielleicht auch noch eine Agentur die sich nur darum bemüht, dass auch alles ins Corporate Design passt was online so passiert. Oft ist es ein langer Weg um ein Unternehmen davon zu überzeugen, dass etwas geändert werden muss, wenn diese Entscheidung dann aber fällt kann es unter Umständen nochmal wahnsinnig lange dauern bis es dann wirklich umgesetzt wird. Oder es kommt zu Kommunikationsproblemen zwischen Agentur SEO und Agentur SEM, weil der eine nicht weiß, was der andere gerade tut. Ich denke, dass dies einen maßgeblichen Anteil daran hat, dass Unternehmen nun versuchen die Kompetenzen intern zu bündeln.

Ein weiterer Grund dafür könnte auch sein, dass Unternehmen jemandem direkt im Boot haben möchten der sich nicht nur mit dem Online-Marketing befasst, sondern der auch noch Kompetenzen für das oder die Produkte mitbringt, die das Unternehmen vertreibt. Also ein Gefühl dafür mitbringt und damit auch eine viel stärkere Identifikation mit dem Unternehmen und seinen Produkten zustande kommt. Denn im Prinzip geht es ja darum die Produkte an den Mann zu bringen, das Kerngeschäft ist ja nicht das Online-Marketing. Hat das Unternehmen also bisher mit einer Agentur zusammengearbeitet und der Kundenberater konnte sich nur halbherzig für das Produkt begeistern, hat der Auftraggeber das im schlechtesten Fall auch gemerkt. Nicht so gut für die beauftragte Agentur und den Kundenberater.

Noch ein Grund könnte sein, dass einige Unternehmen sich unter Umständen die Hände an unseriösen Agenturen verbrannt haben. Um einen besseren Überblick zu bekommen wird das Online-Marketing also intern bearbeitet.

Außerdem dürfte auch der finanzielle Aspekt eine Rolle spielen. Klar will auch ein Inhouse-Fuzzie bezahlt werden, aber die monatlichen Kosten sind kalkulierbar, was sie vielleicht bei einer Agentur nicht immer sind, weil hier und da noch was verändert werden muss, was dann extra abgerechnet wird.

Allerdings bin auch ich der Meinung, dass es vom Unternehmen und seinen Zielen abhängig ist ob eine Agentur beauftragt werden sollte oder eine eigene Stelle im Unternehmen dafür geschaffen wird.  Häufig gibt es auch die Konstellation, dass jemand im Unternehmen mit Know-How arbeitet  der aber auch gleichzeitig Arbeiten mit einer Agentur koordiniert.

Weitere Meinungen sind natürlich wie immer erwünscht :-)